Was gibt es in Sisimiut zu sehen? Im Vergleich zum lebhaften Nuuk ist Sisimiut eine kleine, ruhige Stadt unter einem markanten Berg, und mir haben zwei volle Tage gereicht. Am meisten ist mir die Wanderung zu einer Hütte in Form eines UFOs in Erinnerung geblieben. Den ganzen Tag hatte ich keinen Empfang und habe keinen einzigen Menschen getroffen.
- Lage
- etwa 40 km nördlich des Polarkreises, an der Westküste Grönlands
- Anreise
- Air Greenland ab Kopenhagen mit Umstieg in Nuuk; vom Flughafen ins Zentrum eine Stunde zu Fuß, mit dem Auto 10 Minuten
- Wie viele Tage
- zwei volle Tage
- Mitternachtssonne
- etwa von Anfang Juni bis 10. Juli
- In den Rucksack
- wasserdichte Schuhe, Mückennetz für den Kopf, Sonnencreme
- Museum und Souvenirläden
- meist nur an Tagen geöffnet, an denen ein Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt
Inhalt4 KapitelAusblendenAnzeigen
- 01Wie komme ich nach Sisimiut und was kostet ein Flug mit Air Greenland?
- 02Unterkunft in Sisimiut, wie viele Tage du brauchst und worauf du im Sommer achten solltest
- 03Sehenswürdigkeiten in Sisimiut: die Auswahl von Milan Bez Mapy
- Arctic Circle Trail: Der bekannteste Polarwanderweg führt von Kangerlussuaq nach Sisimiut
- UFO Trail in Sisimiut: Tageswanderung zur Hütte in UFO-Form
- Ausrüstung für die UFO-Wanderung in Grönland: nasse Schuhe und 50.000 Schritte
- Mitternachtssonne in Sisimiut: wann die Sonne nicht untergeht und wo ich sie gesehen habe
- Bethel Kirke in Sisimiut: die älteste erhaltene Kirche Grönlands, bezahlt mit Walspeck
- Insel Tele (Sallinnguit) bei Sisimiut: Inuit-Gräber, in denen noch heute Skelette liegen
- Kulturzentrum Taseralik und der See Spejdersø in Sisimiut
- Traditionelle grönländische Küche in Sisimiut: Heilbutt, Wal und Mattak im Hotel Sisimiut
- 04Wohin nach Sisimiut: Kangerlussuaq, Aasiaat und weitere Orte in Grönland
Der grönländische Sommer bedeutet hier aber auch nasse Tundra und Mückenschwärme. Ohne wasserdichte Schuhe und ein Mückennetz für den Kopf würde ich deshalb nicht noch einmal herkommen.
Was kann man in Sisimiut in Grönland sehen? Ich bin mit einem einfachen Ziel hergekommen: Ich wollte sehen, wie der grönländische Sommer aussieht. Deshalb habe ich meinen Besuch bewusst auf die Tage um den 21. Juni gelegt, den längsten Tag des Jahres. An diesem Tag ist zugleich Grönlands Nationalfeiertag, den die Grönländer genau wegen des längsten Tages gewählt haben. Die Sonne geht dann über Sisimiut gar nicht unter, denn die Stadt liegt etwa 40 km nördlich des Polarkreises. Mit rund 5400 Einwohnern ist sie die zweitgrößte Stadt Grönlands und lässt sich trotzdem komplett zu Fuß erkunden.
Die Lage knapp nördlich des Polarkreises erklärt aber viel mehr als nur die Mitternachtssonne. Sisimiut ist nämlich die südlichste Stadt an der Westküste, in der Schlittenhunde erlaubt sind. Nördlich dieser Grenze dürfen die Grönländer keine anderen Hunderassen halten, damit sich der Grönlandhund nicht mit ihnen kreuzt und gesund bleibt.
Hier ist mein Doku-Vlog (auf Slowakisch) von dieser Grönlandreise, auf der ich auch in Sisimiut Station gemacht habe:
Hunde habe ich in der Nähe der Stadt durchaus gesehen, doch im Sommer ruhen sie sich nur aus, denn ohne Schnee gibt es nichts zu ziehen. Zugleich ist Sisimiut die nördlichste Stadt Grönlands, deren Hafen auch im Winter nicht zufriert. Auch deshalb ist hier der wichtigste Fischereihafen des ganzen Landes entstanden. Sisimiut verbindet so zwei Welten: die Schlittenhunde des Nordens und das ganzjährig offene Meer des Südens.
Wie komme ich nach Sisimiut und was kostet ein Flug mit Air Greenland?
Nach Sisimiut bin ich mit Air Greenland ab Kopenhagen geflogen, mit Umstieg in Nuuk. Grönlands Hauptstadt hat seit November 2024 einen neuen Flughafen mit längerer Landebahn, deshalb landen die Jets aus Kopenhagen heute direkt dort. Früher ging es von Europa nach Grönland hauptsächlich über Kangerlussuaq.
Von Nuuk fliegen dann kleinere Propellermaschinen weiter nach Sisimiut. Billig ist das nicht: Mein Hin- und Rückflug ab Kopenhagen hat 1200 € gekostet. Die ganze Reise habe ich selbst bezahlt. Nach Kopenhagen selbst gibt es übrigens Direktflüge ab Wien, teuer wird es erst ab dort.


Der Flughafen von Sisimiut ist klein und liegt nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt. Weil es sonnig und völlig windstill war, bin ich zu Fuß in die Stadt gegangen. Das hat etwa eine Stunde gedauert, mit dem Auto sind es rund zehn Minuten. Schon dieser Weg war ein erstes Erlebnis.
Er führte an einer Bucht und einem Strand vorbei, wo Grönländer badeten, obwohl es nur etwa acht Grad warm war. Über der Stadt ragt der Nasaasaaq auf, ein 784 Meter hoher Berg, der das Bild von Sisimiut bestimmt. Sein Name spielt auf die Form einer Mütze an, und die Dänen nennen ihn Kællingehætten, also „Mütze der alten Frau“.
Unterkunft in Sisimiut, wie viele Tage du brauchst und worauf du im Sommer achten solltest

Meine Unterkunft habe ich ganz normal über Booking gefunden. Sisimiut ist klein und überall zu Fuß erreichbar, ein Auto habe ich hier also nicht gebraucht. Zwischen den grönländischen Städten gibt es außerdem keine Straßen, deshalb habe ich auch für Ausflüge keins gemietet. In der Stadt steht auch ein Geldautomat, und die meisten Geschäfte akzeptieren ausländische Karten.
Aufpassen musste ich im Sommer vor allem auf die Mücken. Davon gibt es hier wirklich viele, aber fast jedes Geschäft hat Mückennetze für den Kopf, also habe ich mir sofort eins gekauft. Die Einheimischen tragen sie ganz selbstverständlich auch auf der Straße. Der zweite Punkt ist die Sonne. Während des Polartags ist sie sehr stark und scheint rund um die Uhr, deshalb hatte ich Sonnencreme dabei. Der Vorteil: Du musst dich nirgends beeilen, denn es wird einfach nicht dunkel.
- Tipp von Milan Ich habe mir für Sisimiut zwei volle Tage genommen, und sie haben für die Stadt, die Wanderung zum UFO und die Insel mit den alten Gräbern gereicht.
- Tipp von Milan Das Mückennetz habe ich mir gleich am ersten Tag gekauft. Die Netze gibt es fast überall, du musst also keins von zu Hause mitbringen.
Sehenswürdigkeiten in Sisimiut: die Auswahl von Milan Bez Mapy
Klassische Sehenswürdigkeiten hat Sisimiut nicht viele, deshalb war ich die meiste Zeit draußen. Das sind die Orte, die ich selbst erkundet habe, von der Tageswanderung bis zum Kaffee am See.
Arctic Circle Trail: Der bekannteste Polarwanderweg führt von Kangerlussuaq nach Sisimiut
Sisimiut ist das Ziel des Arctic Circle Trail, eines der bekanntesten Polarwanderwege. Er verbindet die Stadt mit dem Flughafen in Kangerlussuaq und ist rund 160 km lang. Erfahrene Wanderer brauchen dafür sieben bis zehn Tage und schlafen in einfachen Hütten. Ihr gesamtes Essen tragen sie selbst, denn unterwegs gibt es keinen einzigen Laden. Ganz so geübt bin ich als Wanderer nicht, deshalb bin ich nicht die ganze Strecke gegangen. Den letzten Abschnitt vor Sisimiut kann aber jeder gehen, und von Sisimiut aus gibt es auch kürzere Tagestouren.
UFO Trail in Sisimiut: Tageswanderung zur Hütte in UFO-Form
Die wichtigste Wanderung meines Aufenthalts war der UFO Trail. Am Ende eines langen Tals steht eine der seltsamsten Sehenswürdigkeiten von Sisimiut: eine Berghütte in Form einer fliegenden Untertasse. Du findest sie unter diesen Koordinaten. Übernachten darf dort jeder, es gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Du kannst aber auch an einem Tag hin und zurück wandern, sogar im Winter, wenn der Weg den Spuren der Hundeschlitten folgt.
Vom UFO hatte ich einen 180-Grad-Blick auf den Fjord Kangerluarsuk Tulleq und auf die hohen Berge, hinter denen sich der Gletscher Aqqutikitsoq versteckt. Hin und zurück ist die Tour rund 24 km lang. Der Pfad ist schmal, aber gut markiert und steigt meist nur leicht an. Zu Saisonbeginn oder nach Regen können die Bachquerungen allerdings schwierig sein.




Auf einer Tafel am Weg hat mir ein großer Hinweis besonders gefallen: Das Wasser kann man aus jedem Bach trinken. Den ganzen Weg über hatte ich überhaupt keinen Empfang und habe keinen einzigen Menschen getroffen, aber so ist das bei Wanderungen in Grönland. Unterwegs bin ich an einem Wasserfall und einem zugefrorenen Fluss vorbeigekommen. Am UFO habe ich dann lange gesessen und die Aussicht genossen. Sogar eine Toilette gibt es hier. Ins UFO kannst du ganz normal hineingehen, drinnen ist aber nichts außer einem Gästebuch und einem Erste-Hilfe-Kasten.
Ausrüstung für die UFO-Wanderung in Grönland: nasse Schuhe und 50.000 Schritte
Ehrlich gesagt hat mich die Wanderung geschafft, obwohl sie nicht extrem lang ist. Ich bin auf fast 50.000 Schritte gekommen, weil ich auf dem steinigen Pfad nur kleine Schritte gemacht habe. Der grönländische Sommer bedeutet außerdem, dass Schnee und Eis schmelzen und überall viel Wasser ist. Die Tundra ist voller Sümpfe und kleiner Tümpel, die unter den Pflanzen verborgen liegen. Mehrmals bin ich in so einen unscheinbaren Tümpel getreten, und meine Schuhe waren völlig durchnässt. Dafür geht die Sonne in dieser Zeit nicht unter. Ich musste mich also nicht beeilen, um vor der Dunkelheit zurück zu sein.
- Tipp von Milan Für Wanderungen in Grönland empfehle ich Schuhe, die wirklich wasserdicht sind. Meine haben nach ein paar Schritten in einen versteckten Sumpf aufgegeben.
- Tipp von Milan Zur Wanderung habe ich Sonnencreme und ein Mückennetz mitgenommen. Nördlich des Polarkreises ist die Sonne auch dann stark, wenn es draußen nicht warm ist.


Mitternachtssonne in Sisimiut: wann die Sonne nicht untergeht und wo ich sie gesehen habe
Am Abend nach der Wanderung bin ich noch auf einen kleinen Hügel mitten in Sisimiut gestiegen, um die Sonne um Mitternacht zu sehen. Das ist simpel, aber ziemlich schön. Der Polartag dauert in Sisimiut etwa von Anfang Juni bis zum 10. Juli. Weil die Stadt nur knapp nördlich des Polarkreises liegt, steht die Sonne um Mitternacht tief über dem Horizont, verschwindet aber nicht dahinter. Unterwegs habe ich auch am örtlichen Friedhof haltgemacht.

Bethel Kirke in Sisimiut: die älteste erhaltene Kirche Grönlands, bezahlt mit Walspeck
In der Altstadt habe ich mir das Gelände des Sisimiut Museum angesehen, das in Kolonialgebäuden aus dem 18. Jahrhundert untergebracht ist. Hier steht auch die blaue Bethel Kirke, die älteste erhaltene Kirche Grönlands. Und sie hat eine spannende Geschichte.
Die Kirche entstand in Dänemark als Bausatz. Ein Schiff brachte sie ins damalige Holsteinsborg, wie Sisimiut früher hieß, und 1775 wurde sie geweiht. Bezahlt wurde sie mit Walspeck, den Europa damals als Brennstoff für Lampen kaufte. Heute gehört die Kirche zum Museum, und die Gottesdienste finden in der roten Kirche von 1926 direkt nebenan statt.

Am Eingang zum Museumsgelände steht ein Tor aus Walknochen, genauer gesagt aus den Kieferknochen eines Grönlandwals. Es entstand in den Jahren 1906 bis 1907 vor dem Haus des damaligen Verwalters der Handelsstation. Das Museum selbst habe ich allerdings geschlossen vorgefunden. Dabei zeigt es auch Funde der Saqqaq-Kultur, also der ersten Menschen, die sich vor etwa 4500 Jahren in Grönland niedergelassen haben. Meist öffnet es nur, wenn ein Kreuzfahrtschiff in der Stadt anlegt, und genauso ist es bei vielen Souvenirläden. Pro Sommer kommen übrigens rund 40 Kreuzfahrtschiffe nach Sisimiut.
- Tipp von Milan Beim nächsten Mal schaue ich vor der Reise nach, wann ein Kreuzfahrtschiff nach Sisimiut kommt. An diesem Tag habe ich die besten Chancen, Museum und Souvenirläden geöffnet vorzufinden.
Insel Tele (Sallinnguit) bei Sisimiut: Inuit-Gräber, in denen noch heute Skelette liegen
Am besten hat mir in Sisimiut der Spaziergang zur Insel Sallinnguit gefallen. Die Dänen nennen sie nach den Telekommunikationsanlagen auf ihrem Gipfel Tele Ø. Sie liegt nicht weit vom Zentrum, eine kleine Brücke verbindet sie mit der Stadt. Ich bin etwa eine Stunde am Hafen entlang dorthin gelaufen.
Laut Archäologen haben hier in den letzten 4000 Jahren mit Unterbrechungen Menschen gelebt: zuerst die Saqqaq- und die Dorset-Kultur, später die Vorfahren der heutigen Inuit aus der Thule-Kultur. Am Anfang der Insel steht eine Karte mit nummerierten Stationen, die Reste von Behausungen und die Gräber erklären. Neben der Geschichte gibt es von hier auch schöne Ausblicke auf Sisimiut.


Das stärkste Erlebnis sind aber die alten Steingräber. Die Inuit begruben ihre Toten nicht in der Erde. Der Boden ist hier dünn, steinig und unter der Oberfläche oft gefroren, ein Grab auszuheben war also schlicht unmöglich. Deshalb legten sie den Körper auf den Boden und bedeckten ihn mit Steinen. In manchen Gräbern siehst du bis heute echte Skelette, die sich dank des kalten, trockenen Klimas Hunderte von Jahren erhalten haben. Dasselbe Prinzip steckt auch hinter den berühmten Mumien von Qilakitsoq, die Jäger 1972 im Nordwesten Grönlands fanden. Die Skelette vom Foto findest du genau unter diesen Koordinaten.
Kulturzentrum Taseralik und der See Spejdersø in Sisimiut
Mitten in der Stadt liegt ein See mit zwei Namen. Die Grönländer nennen ihn Nalunnguarfik, die Dänen Spejdersø, also Pfadfindersee. Um ihn herum führt ein schöner Rundweg, und morgens habe ich hier viele Leute joggen sehen. An seinem Ufer steht das Kulturzentrum Taseralik, das es seit 2008 gibt.
Es hat einen Konzertsaal, der auch als Kino dient, Ausstellungsräume und ein Café mit Blick auf den See. Genau hier habe ich einen sehr guten Kaffee getrunken, und als ruhige Pause zwischen zwei Wanderungen kann ich ihn empfehlen. Im Winter brechen von hier Hundeschlitten auf, und auch das Skirennen Arctic Circle Race startet hier.
Traditionelle grönländische Küche in Sisimiut: Heilbutt, Wal und Mattak im Hotel Sisimiut
Für traditionelle grönländische Küche bin ich ins Restaurant Nasaasaaq im Hotel Sisimiut gegangen. Probiert habe ich Garnelen, Heilbutt, Walfleisch und Mattak, also rohe Walhaut mit einer Fettschicht. Die Grönländer schneiden Mattak in kleine Würfel, für sie ist das eine traditionelle Delikatesse. Das ganze Essen war sehr fettig und schwer, mit kräftigem Geschmack.
Das ergibt aber Sinn, denn im Winter braucht der Körper hier viele Kalorien. Mattak und Wal habe ich in Zitronensaft oder einen Knoblauchdip getunkt, damit sie besser schmecken. In der Stadt gibt es noch einige weitere Restaurants und Cafés, aber Sisimiut ist wirklich klein, die Auswahl ist also nicht groß. Mehr darüber, was man in Grönland isst, habe ich im Artikel über typische grönländische Gerichte geschrieben.

Wohin nach Sisimiut: Kangerlussuaq, Aasiaat und weitere Orte in Grönland
Von Sisimiut bin ich mit der Küstenfähre Sarfaq Ittuk in den kleinen Ort Aasiaat weitergefahren und mit einer Nachtfahrt zurückgekommen. In Aasiaat habe ich auch die Feiern zum Nationalfeiertag am 21. Juni erlebt. Die ganze Fahrt beschreibe ich in meinem Erfahrungsbericht über die Sarfaq Ittuk. Der nächste größere Ort auf der Karte ist aber Kangerlussuaq, das etwa 130 km östlich liegt, nahe am Rand des grönländischen Eisschilds.
Dort beginnt der Arctic Circle Trail, und was ich in Kangerlussuaq erlebt habe, liest du im Artikel Was tun in Kangerlussuaq. Grönland habe ich außerdem in der Hauptstadt Nuuk kennengelernt, der lebhaftesten Stadt des Landes. Am besten hat mir in ganz Grönland aber Ilulissat gefallen, mit seinem Eisfjord voller riesiger Eisberge. Was gibt es in Sisimiut zu sehen? Die Antwort steht in diesem Artikel.
Gute Reise!





