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Slowakei8 Min. Lesezeit

Wanderung zum Sakrakopec, dem Ort eines Flugzeugabsturzes in Bratislava

Wanderung zum Sakrakopec in den Kleinen Karpaten, wo 1966 eine Il-18 abstürzte. Wie du hinkommst, was passiert ist und wo das Denkmal steht.

Wanderung zum Sakrakopec, dem Ort eines Flugzeugabsturzes in Bratislava
Wanderung zum Sakrakopec, dem Ort eines Flugzeugabsturzes in Bratislava

Die Wanderung zum Sakrakopec verbindet die Stille des Waldes in den Kleinen Karpaten (Malé Karpaty) mit einem traurigen Kapitel unserer Geschichte – dem Flugzeugabsturz von 1966. Ich empfehle sie dir, wenn du einen Ausflug mit Sinn suchst, nicht weit vom Zentrum von Bratislava (Pressburg). Halte unterwegs am Denkmal für die Opfer an.

Auf einen Blickvon Milan Bez Mapy
Start
Mit der Straßenbahn 3 zur Haltestelle Detvianska, von dort zu Fuß hinauf zur Horáreň Biely Kríž
Schwierigkeit
Rund 500 Höhenmeter, die Hügel haben uns ordentlich geschafft
Dauer
Drei Stunden inklusive Strudelpause
Mein Tipp
Topfenstrudel im Občerstvenie u Kocmundu, von dort sind es noch etwa 20 Minuten zum Denkmal
Achtung
Schwaches Netz – lade dir eine Offline-Karte herunter und nimm Wasser mit
An der Absturzstelle
Wrackteile und persönliche Gegenstände der Opfer liegen dort bis heute – nimm nichts mit
Inhalt3 KapitelAusblendenAnzeigen
  1. 01Wanderung zum Sakrakopec, dem Ort eines Flugzeugabsturzes in Bratislava
  2. Warum am 24.11.1966 ein Flugzeug am Sakrakopec abstürzte und wer die Piloten waren
  3. Warum der Flugzeugabsturz am Sakrakopec so lange verschwiegen wurde
  4. 02So kommst du zum Denkmal am Sakrakopec und hier kannst du unterwegs einkehren
  5. Das Denkmal für das abgestürzte Flugzeug am Sakrakopec
  6. 03Wanderung zum Sakrakopec: Tipps zum Schluss

Die Wanderung zum Sakrakopec, dem Ort eines Flugzeugabsturzes in Bratislava, wollte ich schon lange machen. Eigentlich seit ich auf YouTube eine Doku über diesen Absturz von 1966 gesehen habe.

Ehrlich gesagt hatte ich bis dahin nie davon gehört, weil es lange vor meiner Geburt passiert ist. Ich kannte nur den Absturz bei Zlaté piesky. Irgendwann habe ich mich aber endlich aufgerafft, die Route geplant und den Ausflug zum Sakrakopec gemacht – zu der Stelle, an der in Bratislava ein Flugzeug abstürzte und niemand überlebte. Ich habe auch darüber geschrieben, wo du in Bratislava ohne Auto in die Natur kommst.

Nur ein paar Kilometer vom Zentrum Bratislavas entfernt, in den Kleinen Karpaten, liegt ein Ort, der die Stille des Waldes mit einem traurigen Kapitel unserer Geschichte verbindet. Der Sakrakopec. Heute ein beliebtes Ziel für Spaziergänge, doch am 24. November 1966 ereignete sich hier eine Tragödie, die 82 Menschenleben forderte.

Wanderung zum Sakrakopec, dem Ort eines Flugzeugabsturzes in Bratislava

Hier ist die Doku, von der ich gesprochen habe. Wenn du genauer wissen willst, wie es zu dem Unglück kam, schau sie dir an:

Warum am 24.11.1966 ein Flugzeug am Sakrakopec abstürzte und wer die Piloten waren

Am 24.11.1966 flog eine Iljuschin Il-18 der bulgarischen Fluggesellschaft TABSO auf der Strecke Sofia – Budapest – Prag – Berlin. Das Wetter war schlecht, also musste sie auf dem Flughafen in Ivanka pri Dunaji landen und warten, bis sich die Bedingungen bessern. Als sie gegen 16:30 Uhr wieder startete, blieben ihr nur noch wenige Minuten.

Kurz nach dem Start stürzte die Maschine in einen Hügel namens Sakrakopec. An Bord waren 74 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder – insgesamt 82 Menschen. Niemand überlebte. Unter den Opfern waren vor allem Bulgaren, aber auch Reisende aus Deutschland, Vietnam, Tunesien, Argentinien und Großbritannien. Das jüngste Opfer war ein erst 13-jähriges Mädchen.

Unter den Namen auf der Gedenktafel findest du die gesamte Besatzung. Kommandant war Kapitän Ljubomir Todorow Antonow, einer der erfahrensten Il-18-Kapitäne der TABSO. Copilot war Swetomir Dimitrow Schakadanow, Navigator Slawi Stefanow Tomakow, Funker Nikola Alexandrow Tassew und Bordmechaniker Stojan Todorow Rangelow. Um die Passagiere kümmerten sich die Stewardessen Marija Iwanowa Iwanowa, Swetla Marinowa Georgiewa und Wiolina Welewa Stoitschkowa. Ihre Namen sind in drei Sprachen in Metall graviert: auf Slowakisch, Bulgarisch und Englisch. Das Denkmal steht an der Absturzstelle als stilles Mahnmal für alle, die hier ums Leben kamen.

Foto der Maschine LZ-BEN, die am Sakrakopec in Bratislava abstürzte
Ein Foto genau der Maschine LZ-BEN, die am Sakrakopec in Bratislava abstürzte.

Warum der Flugzeugabsturz am Sakrakopec so lange verschwiegen wurde

Manche Namen verraten, dass auch Familien an Bord waren – Ehepaare, Eltern mit Kindern. Eine der Stewardessen, Swetla Georgiewa, hatte erst 18 Tage vor diesem Flug geheiratet. Diese persönliche Ebene gibt dem Ort ein besonderes Gewicht – du spürst hier nicht nur Geschichte, sondern auch ganz normale Leben, die viel zu früh endeten.

Die Katastrophe von 1966 war eines der schwersten Flugzeugunglücke auf dem Gebiet der Tschechoslowakei. Trotzdem wurde lange darüber geschwiegen. Im Kalten Krieg berichteten die Medien über solche Ereignisse kaum. Dokumente tauchten erst nach Jahrzehnten auf. Hier findest du Scans von Zeitungen aus jener Zeit, die ganz unterschiedlich über den Absturz berichteten.

Der Absturz der Iljuschin Il-18 in Bratislava

Die Maschine, die am 24. November 1966 in den Sakrakopec in Bratislava stürzte, war ein viermotoriges Turbopropflugzeug vom Typ Iljuschin Il-18. In den 1950er- und 1960er-Jahren gehörte es zu den modernsten Verkehrsflugzeugen des Ostblocks. Die sowjetische Konstruktion war der Stolz von Airlines wie Aeroflot, Interflug oder eben der bulgarischen TABSO, denn die Il-18 konnte mehr als 100 Passagiere über bis zu 6000 Kilometer befördern.

Die Maschine war für ihre Robustheit und Sparsamkeit bekannt – sie flog zuverlässig in den unterschiedlichsten Klimazonen, von Sibirien bis in den Nahen Osten. Zum Zeitpunkt des Absturzes war sie fast neu, eine Serienmaschine vom Typ Il-18W mit vier Iwtschenko-AI-20-Triebwerken. Damit erreichte sie rund 650 km/h, was für ein Turbopropflugzeug dieser Zeit außergewöhnlich war.

Obwohl die Il-18 als sicheres Flugzeug galt, gehört gerade dieser Absturz zu den tragischsten in ihrer Geschichte. Die Untersuchungskommission legte sich auf keine eindeutige Ursache fest und schloss einen technischen Defekt nicht ganz aus. Als wahrscheinlichste Ursache nannte sie aber einen Navigationsfehler und schlechtes Wetter, wodurch sich die Piloten nach dem Start in Bratislava nicht orientieren konnten. Ironie des Schicksals: Eine Maschine, die für den technischen Fortschritt des Ostblocks stand, beendete ihren Flug nur wenige Minuten nach dem Start in einem dichten Wald über der Stadt.

Wegweiser im Wald auf dem Weg zum Sakrakopec
Auf dem Weg zum Sakrakopec führen dich ab und zu solche Schilder durch den Wald
Gedenktafel mit den Namen der Opfer des Flugzeugabsturzes am Sakrakopec
Gedenktafel mit den Namen der Opfer des Flugzeugabsturzes am Sakrakopec
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So kommst du zum Denkmal am Sakrakopec und hier kannst du unterwegs einkehren

Der Sakrakopec ist ein ziemlich schwer zugänglicher Hügel, und um hinaufzukommen, musst du rund 500 Höhenmeter schaffen. Für mich war diese Route am einfachsten:

  1. Mit der Straßenbahn 3 bis zur Haltestelle Detvianska fahren
  2. Zu Fuß ganz hinauf bis zur Horáreň Biely Kríž (Forsthaus Biely Kríž) gehen, wo auch die Berghütte Klinec steht,
  3. Im Občerstvenie u Kocmundu einen richtig guten Topfenstrudel essen. Eine Wanderung zum Sakrakopec kommt ohne Topfenstrudel nicht aus.
  4. Von dort weiter zum Sakrakopec, das sind noch etwa 20 Minuten zu Fuß. Die genauen Koordinaten findest du hier auf Google Maps
  • Tipp von Milan Ich empfehle dir die App Maps.me, in der Wanderwege und Routen super eingezeichnet sind. Damit verläufst du dich im Wald nicht.

Tipp von Milan Zugverbindungen von Wien nach Bratislava kannst du auf Omio vergleichen.

Topfenstrudel im Občerstvenie u Kocmundu, der letzten Station vor dem Sakrakopec
Probier den Topfenstrudel im Občerstvenie u Kocmundu, der letzten Station vor dem Sakrakopec, wo das Flugzeug abstürzte

Das Denkmal für das abgestürzte Flugzeug am Sakrakopec

Ich war selbst überrascht, als ich mit süßem Strudel im Bauch endlich das Denkmal am Sakrakopec erreichte. Der Wald veränderte sich plötzlich – zwischen den Bäumen tauchten mehrere Gedenksteine auf, als hätte die Zeit hier Schicht um Schicht Erinnerungen abgelegt. Ein neuer, ein älterer, Kreuze, eine Steintafel, eine Bank und eine Liste der Opfer mit Namen, die heute niemand mehr laut ausspricht. Alles wirkt still und zugleich seltsam persönlich.

Am meisten hat mich aber etwas anderes getroffen. Als ich auf den Boden schaute, sah ich Metallstücke zwischen dem Laub glänzen – Reste des Flugzeugs. Und dann ein Brillenetui, das vielleicht jemandem gehört hatte. Das war nicht bloß ein historisches Fundstück, sondern eine Erinnerung daran, dass die Tragödie, von der man auf der Tafel liest, wirklich genau hier passiert ist.

Erst als ich den Schuh eines der Opfer entdeckte, wurde mir klar, wie stark dieser Ort ist. Lange dachte ich, jemand hätte ihn erst vor Kurzem dort hingelegt. Dann sprachen mich aber Freiwillige an, die sich um das Denkmal kümmern, und bestätigten mir, dass sie den Schuh selbst beim Reinigen des Denkmals gefunden hatten. Es ist also keine Requisite, sondern ein echtes Überbleibsel jener Nacht.

Milan Bez Mapy am Sakrakopec
Milan Bez Mapy am Sakrakopec
Eines von mehreren Denkmälern für die Absturzopfer am Sakrakopec
Eines von mehreren Denkmälern am Sakrakopec, die an die Opfer des Flugzeugabsturzes erinnern
Persönliche Gegenstände der Opfer des Flugzeugabsturzes am Sakrakopec
Persönliche Gegenstände der Opfer liegen am Sakrakopec bis heute. Diesen Schuh fanden Freiwillige beim Reinigen des Denkmals.
Wrackteile der Iljuschin Il-18 LZ-BEN am Sakrakopec in Bratislava
Wrackteile der Iljuschin Il-18 LZ-BEN am Sakrakopec in Bratislava

Das Flugzeug stürzte hier 1966 ab – vor langer Zeit, vor mehr als einem halben Jahrhundert. Aber das Gelände ist steil, dicht bewachsen und schwer zugänglich, deshalb sind Wrackteile und persönliche Gegenstände der Passagiere bis heute hier geblieben. Wie stille Zeugen, die Wind und Regen nicht ganz verwischen konnten. Der Sakrakopec trägt seine Tragödie also immer noch in sich – nicht als Relikt der Vergangenheit, sondern als lebendige Erinnerung, die jeder spürt, der hierherkommt.

Wenn du in der Gegend bist, halte unbedingt an. Ich weiß, es ist nicht gerade der klassische Wochenendspaziergang in Bratislava, aber auf der Koliba ist es sowieso voll. Am Sakrakopec erwarten dich Ruhe und Stille.

Wanderung zum Sakrakopec: Tipps zum Schluss

  • nimm Wasser mit, die Wälder hier sind dicht, und außer der Horáreň Biely Kríž gibt es nur Wege und viele Radfahrer
  • es ist eine längere Wanderung – mit dem Strudelstopp haben wir insgesamt drei Stunden gebraucht und waren von den Hügeln echt geschafft
  • nimm nichts von der Absturzstelle mit – hier sind Menschen gestorben, und ich glaube, wenn du ein Stück vom Wrack zu Hause hättest, würdest du dieses Unglück mit nach Hause nehmen
  • das Netz ist schwach, lade dir eine Offline-Karte herunter – stellenweise hatten wir gar keinen Empfang
  • es ist immer noch Stadtwald, Hunde müssen an die Leine, weil hier viel Hochwild und viele Rehe leben
Weinberge in Bratislava
Weinberge in Bratislava
Milan Bez Mapy in den Weinbergen bei Bratislava nach der Wanderung zum Sakrakopec
Milan Bez Mapy beim Spaziergang durch die Weinberge bei Bratislava nach der Wanderung zum Sakrakopec

Auf dem Rückweg ging es hinunter nach Rača, vorbei an Weinbergen, die sich langsam herbstlich färbten. An der Detvianska stiegen wir in die Straßenbahn, aber vorher passierte noch etwas, das den ganzen Ausflug symbolisch abrundete – wir haben einen entlaufenen Hund gerettet. Er schloss sich uns ganz unerwartet an und lief neben uns her, als hätte er schon immer zu uns gehört. Ich versuchte, ihn zu ignorieren, aber er ließ sich nicht abwimmeln. Und das war gut so.

Zum Glück sah ich, dass auf seinem Halsband eine Telefonnummer stand. Ich rief an, und es meldete sich ein Mann, der ihn verzweifelt gesucht hatte – ein Jäger aus der Gegend. Wir verabredeten uns an der Mahrova búda. Als er den Hund endlich wiederhatte, war die Erleichterung riesig. Ich hatte einfach eine stille Freude, dass ein Tag, der mit der Erinnerung an eine Tragödie begonnen hatte, mit einer kleinen guten Tat endete. Denn die zählen – immer. Egal ob bei einer Wanderung zum Sakrakopec oder bei einem Spaziergang irgendwo anders.

Ich habe auch darüber geschrieben, warum sich ein Besuch in Bratislava lohnt.

Gute Reise, Milan!

Milan Bez Mapy
Geschrieben von
Milan Bez Mapy

Slowakischer Reiseblogger, der seit 2013 Slowaken von ihren Bürostühlen holt. Autor des Buches Influencer und Gründer des Blogs Bez Mapy.