Der Nordosten der Region Prešov rund um Medzilaborce ist für mich still, grün und überraschend wenig bekannt. Schau dir die Warhol-Gedenkstube in Miková an, das Kloster Krásny Brod, den Sonnenaufgang vom Aussichtsturm Kyčera und das Tal des Todes am Dukla-Pass. Lade dir vor der Reise die kostenlose App Prešov Region Travel Card mit Rabatten und Ausflugstipps herunter.
Inhalt3 KapitelAusblendenAnzeigen
- 01Was du in der Region Prešov sehen solltest: Tipps von Milan Bez Mapy
- 02Was die Prešov Region Travel Card ist, welche Rabatte sie bietet und wie du sie bekommst
- Die Warhol-Gedenkstube in Miková, wo der Weg nach Pittsburgh begann
- Kloster Krásny Brod, dreimal zerstört und immer noch da
- Was du in Medzilaborce sehen solltest
- Die Statue von Fürst Laborec in Habura, dem Schutzpatron des ganzen Tals
- Sonnenaufgang vom Aussichtsturm Kyčera über Medzilaborce
- Havaj, ein slowakisches Hawaii ohne Palmen und Sand
- Das Tal des Todes, Schauplatz der schwersten Panzerschlachten am Dukla-Pass
- Opalminen in der Slowakei
- 03Die Region Prešov geht weiter: Šariš und Bardejovské Kúpele
Was gibt es in der Region Prešov zu sehen? Das wollte ich vor ein paar Wochen selbst herausfinden, mit eigenen Augen und auf eigenen Rädern. Der Bezirk Prešov hat gerade die Prešov Region Travel Card gestartet, eine digitale Gästekarte, die dir auf dem Handy an einem Ort Rabatte, Ausflugstipps und einen Überblick über Veranstaltungen in der ganzen Region bietet, von der Tatra bis zu den Poloniny. Ich bin in den zweiten Teil gefahren, in eine Ecke der Slowakei, über die ich vorher überraschend wenig wusste.
Was du in der Region Prešov sehen solltest: Tipps von Milan Bez Mapy
Ich bin ganz klassisch von Bratislava nach Košice (Kaschau) geflogen, habe dort einen Mietwagen abgeholt und bin direkt nach Medzilaborce gefahren, wo ich auch übernachtet habe. Schon unterwegs hat mich überrascht, wie still und grün dieser Teil der Slowakei ist, und noch mehr, dass Medzilaborce von Košice tatsächlich zwei Stunden Autofahrt entfernt ist, viel weiter, als ich nach der Karte gedacht hätte.
Tipp von Milan Flüge von Wien nach Košice kannst du auf Omio vergleichen, Mietwagen auf Discover Cars.
Was die Prešov Region Travel Card ist, welche Rabatte sie bietet und wie du sie bekommst
Die Prešov Region Travel Card ist eine kostenlose Handy-App, die in diesem Jahr die regionale Tourismusorganisation KOCR Prešov Region zusammen mit dem Selbstverwaltungsbezirk Prešov gestartet hat, mit Unterstützung des slowakischen Ministeriums für Tourismus und Sport. Es ist die erste Karte in der Slowakei, die einen ganzen Selbstverwaltungsbezirk abdeckt, von der Tatra bis zu den Poloniny. Hier ist der Link zum Download.
In der App findest du Rabatte und Vorteile bei Dutzenden Partnern, von Unterkünften und Restaurants bis zu Museen und Wellnesszentren, dazu einen Überblick über aktuelle Veranstaltungen und Ausflugstipps, je nachdem, wo du gerade bist. Du lädst sie kostenlos aufs Handy, und sie funktioniert wie ein digitaler Reiseführer für die ganze Region in der Hosentasche. Laut der Region gibt es die App in mehreren Sprachen, sie ist also auch für Besucher aus dem Ausland gedacht.

Die Warhol-Gedenkstube in Miková, wo der Weg nach Pittsburgh begann
Meinen Trip habe ich in Miková begonnen, einem kleinen Dorf, aus dem Julia Warhola (slowakisch Júlia Varcholová) stammte, die Mutter von Andy Warhol. In die Gedenkstube zu kommen ist etwas komplizierter: Schau dir die Öffnungszeiten an und ruf vorher die Telefonnummer auf der Website an, damit die Bürgermeisterin kommt und dich herumführt. Rechne mit einer halben bis Dreiviertelstunde.
Das Stärkste an der ganzen Stube ist ein Dokumentarfilm der slowakischen Künstlerin Petra Toth. Sie ist die Route, auf der Julia vor hundert Jahren von Miková nach Pittsburgh aufgebrochen ist, persönlich nachgereist: über Polen, Belgien, den Hafen Dover, Liverpool und Ellis Island in New York. Ein schöner Einstieg, hier lohnt sich ein Stopp auf jeden Fall.
Ich war vor Kurzem selbst auf Ellis Island in New York. Es gibt eine Datenbank der Vorfahren, die für ein neues Leben nach Amerika kamen – versuch dort mal, Mitglieder deiner eigenen Familie zu finden, das ist richtig spannend.


Kloster Krásny Brod, dreimal zerstört und immer noch da
Nicht weit von Miková habe ich am Kloster in Krásny Brod angehalten. Ursprünglich dachte ich, es sei eines der am besten erhaltenen Klöster der Slowakei, aber als ich es nachgeprüft habe, stellte sich das Gegenteil heraus. Das Kloster, das angeblich im 14. Jahrhundert Theodor Koriatowitsch gegründet hat, wurde in seiner Geschichte dreimal zerstört, zuerst 1603, dann während des Ständeaufstands 1703 bis 1711 und schließlich endgültig 1915 im Ersten Weltkrieg.
Seitdem stehen von der ursprünglichen Kirche nur Ruinen, die man auch das russinische Devín nennt (nach der Burgruine Devín bei Bratislava). Daneben haben die Basilianer ein komplett neues Kloster gebaut, das 2002 geweiht wurde, und eine neue Kirche aus dem Jahr 2009. Ich kam am frühen Abend an und kann genau diese Zeit empfehlen: Bei Sonnenuntergang sieht es dort am schönsten aus.
- Tipp von Milan Für das Kloster in Krásny Brod habe ich mir die Zeit kurz vor Sonnenuntergang aufgehoben, dann ist es dort für mich am schönsten.


Was du in Medzilaborce sehen solltest
Ich habe direkt in Medzilaborce übernachtet, und gleich im Zentrum ist mir die große, schöne Kirche aufgefallen, die das Stadtbild prägt. Eigentlich lebt die Stadt aber von einer einzigen Person: Andy Warhol. Genau als ich dort war, wurde das komplett renovierte Andy-Warhol-Museum für moderne Kunst wiedereröffnet, das einzige Museum in ganz Europa, das speziell diesem Künstler gewidmet ist.
Gegründet wurde es schon 1991 mit zwölf Werken. Heute hat es über vierhundert, dazu rund hundertzwanzig weitere von Künstlern wie Keith Haring, Roy Lichtenstein, Jean-Michel Basquiat oder Banksy. Die Renovierung dauerte drei Jahre und kostete fast sechzehn Millionen Euro, dabei kam auch ein begehbares Dach mit Amphitheater dazu.
Direkt vor dem Gebäude steht eine große Campbell’s-Suppendose, genau so eine, wie er sie auf seinen Bildern berühmt gemacht hat. Und hier kommt das Paradox, das ich an solchen Orten am liebsten mag: Andy Warhol selbst war nie im Leben in der Slowakei, und auch seine Mutter Julia ist nie in die Ostslowakei zurückgekehrt. Sie ging als junges Mädchen nach Amerika und verbrachte dort den Rest ihres Lebens.


Die Statue von Fürst Laborec in Habura, dem Schutzpatron des ganzen Tals
Als ich mir ein bisschen die Beine vertreten wollte, bin ich ins nahe Habura abgebogen. Über dem Dorf steht eine mehr als fünf Meter hohe Bronzestatue von Fürst Laborec, geschaffen vom Bildhauer Ján Ťapák und 2014 enthüllt. Im fast zwei Meter hohen Steinsockel liegt eine Kapsel mit Erde aus 106 russinischen Dörfern, als Symbol ihrer Einheit.
Der Legende nach war Laborec ein slawischer Fürst, den um die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert die alten Magyaren verfolgten, fassten und am Ufer des Flusses Sviržava hinrichteten. Der Fluss trägt seitdem seinen Namen, Laborec, und nach ihm ist schließlich auch Medzilaborce benannt.

Sonnenaufgang vom Aussichtsturm Kyčera über Medzilaborce
Morgens bin ich früh aufgestanden und noch im Dunkeln zum Aussichtsturm Kyčera über der Stadt aufgebrochen. Es ist ungefähr eine Stunde Aufstieg durch den Wald, aber es lohnt sich, denn vom Turm hast du einen schönen Blick auf den Sonnenaufgang über ganz Medzilaborce. Turm und Weg sind gut in Schuss, und die Natur ringsum ist angenehm still.
Havaj, ein slowakisches Hawaii ohne Palmen und Sand
Unterwegs habe ich auch im Dorf Havaj angehalten, einer echten lokalen Kuriosität. Sein Name ist rein zufällig derselbe wie der slowakische Name der Inseln im Pazifik. Erwähnt wird es schon 1403, also lange bevor in der Slowakei überhaupt jemand wusste, dass es auf der anderen Seite der Welt ein Hawaii gibt. Über die Herkunft des Namens gibt es zwei Volkslegenden, beide verbinden ihn mit dem ungarischen Wort für Butter. Wenn dir das Geld für ein Flugticket auf die Pazifikinseln fehlt, kommst du so wenigstens zu einem Foto mit dem Ortsschild Havaj.


Das Tal des Todes, Schauplatz der schwersten Panzerschlachten am Dukla-Pass
Am meisten hat mich auf der ganzen Reise der Besuch im Tal des Todes (Údolie smrti) berührt. Im Tal des Baches Kapišovka, zwischen den Dörfern Kapišová, Kružlová und Nižná Pisaná, fanden vom 25. bis 27. Oktober 1944 die schwersten Panzerkämpfe der gesamten Karpaten-Dukla-Operation statt. Historiker sprechen von rund elftausend gefallenen Soldaten auf beiden Seiten, davon etwa fünftausend Angehörige der Roten Armee.
Eine örtliche Legende erzählt, dass sich der Bach damals rot vom Blut färbte. Bis heute stehen entlang der Straße Panzer, die an eine angreifende Panzerkompanie erinnern, und an der Einfahrt ins Tal steht ein großer Schriftzug ÚDOLIE SMRTI, der an das Hollywood-Zeichen in den Hügeln erinnert. Das ist ein starkes Erlebnis und eine gute Erinnerung daran, dass Panzer für manche Menschen in Europa auch 2026 zum Alltag gehören.



Opalminen in der Slowakei
Die letzte Station meiner Reise waren die Opalminen bei den Dörfern Zlatá Baňa und Červenica, die zu den ältesten Opalminen der Welt gehören. Der Abbau endete hier 1922, und erst 2015, nach fast hundert Jahren Stille, wurde der Untergrund wieder für Besucher geöffnet. In den Stollen hat es das ganze Jahr über nur etwa vier bis sechs Grad, deshalb empfehle ich dir wirklich, einen Pulli mitzunehmen.
Genau von hier stammt der größte je gefundene Opal der Welt, der Harlekin, der heute im Naturhistorischen Museum in Wien liegt, und auch Königin Victoria hatte Opale aus Dubník in ihrem Krönungsdiadem. Tickets musst du vorher online kaufen, und das Parken an der Mine ist kostenpflichtig.
- Tipp von Milan Das Ticket für die Opalminen musste ich vorher online kaufen, und ich hatte einen Pulli dabei, denn im Stollen sind es das ganze Jahr nur ein paar Grad.

Mit dem Wetter hatte ich auf der ganzen Reise Glück, was im September im Osten nicht selbstverständlich ist, und darüber bin ich froh. Am meisten überrascht hat mich aber, wie viele Orte in der Ostslowakei ich vorher nicht kannte und wie vielseitig diese Region ist, von Pop-Art über russinische Dörfer bis zu Kriegsgeschichte und Opalen unter der Erde. Ich bin froh, dass ich diesen Teil der Slowakei kennengelernt habe, in dem ich vorher noch nie war, auch dank der Prešov Region Travel Card.
Die Region Prešov geht weiter: Šariš und Bardejovské Kúpele
Medzilaborce und der Obere Zemplín (Horný Zemplín) sind nur eine Ecke der Region Prešov. Dazu gehören genauso die Burg Šariš in Veľký Šariš, die die meisten Türme und Bastionen in der Region hat, die Höhle Zlá diera bei Lipovce, eine private Höhle im Dolomit mit ganz eigenem Charakter, das Herrenhaus in Krivany, das die Gemeinde nach und nach restauriert, das Čergov-Gebirge mit dem Sessellift auf die Lysá und einem neuen Lehrpfad, und schließlich der Kurort Bardejovské Kúpele mit Freilichtmuseum und Heilquellen, zusammen mit der historischen Altstadt von Bardejov (Bartfeld), die zum UNESCO-Welterbe gehört. Zu jedem dieser Orte kommt bald auch ein eigener Artikel.
Meine Reise durch die Region Prešov hat die regionale Tourismusorganisation KOCR Prešov Region vermittelt. Das Projekt wurde mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Tourismus und Sport der Slowakischen Republik umgesetzt.
Ab auf Reisen!






